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Die traditionelle Medizin in der Kiewer Rus

Die Kiewer Rus

war der älteste ostslawische Staat in der Geschichte. Er entstand in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts und bestand über drei Jahrhunderte. Schon vor der Kiewer Rus gab es in Russland seit langer Zeit eine traditionelle Medizin, die fortlaufend weiter entwickelt wurde (siehe auch: Die traditionelle russische Medizin in der Geschichte). Die Volksheiler hatten ihren festen Platz in der Gesellschaft. Bereits im ältesten Gesetzbuch des russischen Rechts, das von Jaroslaw dem Weisen im ersten Quartal des 11. Jahrhunderts vorbereitet und dann wiederholt überarbeitet und erweitert wurde, werden sie erwähnt und ihre Arbeit gesetzlich geregelt. Für diese Volksheiler gab es ein auf Gesetz beruhendes Entgelt und auch gesetzliche Regeln für die Schadenshaftung gegenüber anderen Personen. So musste die Person bei einem verursachten Personenschaden eine Geldstrafe an die Staatskasse zahlen und dem Opfer Geld für die daraus nötige Behandlung bezahlen.

Ihr medizinisches Wissen und die Geheimnisse gaben die Volksheiler von Generation zu Generation in sogenannten „Familienschulen“ weiter, so beispielsweise vom Vater auf den Sohn oder von der Mutter auf die Tochter.

Sehr beliebt waren in der Kiewer Rus bei den volkstümlichen Heilmethoden Medikamente aus Pflanzen, wie Salbei, Brennnesseln, Spitzwegerich, Rosmarin, Lindenblüten, Birkenblätter, Rinde von Esche und Wacholder sowie Zwiebeln, Knoblauch, Meerrettich, Birkensaft und viele andere.

Bei den Medikamenten tierischen Ursprungs hatten in der Kiewer Rus eine besondere Bedeutung Honig, Lebertran, rohe Stutenmilch und Hirschgeweih.

Darüber hinaus hatten in der traditionelle Medizin der Kiewer Rus auch Medikamente mineralischen Ursprungs ihren festen Platz. So wurde Frauen gegen Unterleibsschmerzen innerlich Pulver aus Beryll gegeben. Um die Geburt zu erleichtern, trugen Frauen als Schmuck Rubine.

Weiterhin wurde in der Kiewer Rus die heilende Wirkung von Essig und Kupfer-Sulfat, Nitrat und Terpentin, Schwefelstein und Arsen, Silber, Quecksilber, Antimon und andere Mineralien bekannt. Dem russischen Volk war bereits lange die heilende Wirkung des „sauren Wasser“ bekannt. Sein alter Name „Selters“, hat bis heute überlebt und bedeutet „Krieger-Wasser“.

Die Erfahrung der Volksmedizin

wurde in Russland, besonders nach der Annahme des Christentums und der damit verbundenen Alphabetisierung, in vielen herbalistischen- und medizinischen Dokumentationen aufgezeichnet und verallgemeinert. Leider gingen im Laufe der Zeit viele dieser handschriftlichen medizinischen Dokumente durch Krieg und andere Katastrophen verloren und bis heute überdauerten nur wenige dieser alten Dokumente.

In der Kiewer Rus entwickelten sich die Klöster zu Stätten der Heilung, jedoch befand sich die Heilung nicht im alleinigen Monopol der Kirche: Neben dem Kloster gab es noch die alte und beliebte „weltliche“ Medizin. Doch waren in dieser geschichtlichen Zeitspanne heidnische Heiler (Zauberer, Magier, Hexen und Waldfrauen) zu Dienern des Teufels erklärt und wurden in der Regel belästigt.

Die Kiewer Rus hatte ein entwickeltes System der Hygiene. So wurden im 10./11. Jahrhundert im alten Nowgorod Hygieneartikel aus Holz und Keramik verwendet. Auch besaß Nowgorod bereits einen Drainagewassersammler, damals noch eine Seltenheit im Städtebau des nördlichen und östlichen Europa.

Ein fester Bestandteil der gesundheitlichen Lebensqualität im alten Russland war das russische Dampfbad. Es galt bereits seit langer Zeit als ein großes Werkzeug der Heilung. Daraus ableitend war das Bad der sauberste Ort eines Hauses und wurde zusammen mit seinem unmittelbaren Zweck, auch als Ort der Erstpflege von Neugeborenen, für den Aderlass, Massagen und vielen anderen Heilbehandlungen genutzt.
Das russische Dampfbad wurde erstmals in einer russischen Chronik aus dem 11. Jahrhundert beschrieben.

Siehe auch: Das Besondere der russischen Volksmedizin

Anfänge der Heilung von Krankheiten durch den Menschen

Anfänge der Heilung von Krankheiten

lassen sich in der menschlichen Entwicklung durch archäologische Funde bis in die Zeit vor etwa 2 Millionen Jahren zurückverfolgen. Anhand wissenschaftlich gesammelter Informationen ist heute davon auszugehen, dass bereits die frühesten Menschen Heil- und Giftpflanzen, Mineralien und tierische Stoffe kannten, die sie im Kampf gegen ihre Krankheit benutzten. Auch gab es wahrscheinlich bereits soziale Beziehungen zur kollektiven Betreuung erkrankter Verwandter.
Ebenfalls gab es aller Wahrscheinlichkeit nach auch bereits Anfänge der Hygiene in den Unterkünften, wie den Höhlenwohnungen oder den Lagern unter freiem Himmel, unter Nutzung des Feuers. Doch gab es in der Frühzeit noch keine Bestattungen und damit verbundene religiöse Überzeugungen, wie den Totenkult und magische Handlungen. Diese frühen Vorfahren des heutigen Menschen dachten wahrscheinlich noch sehr abstrakt.
Erst beim Neanderthaler ist die Bestattung der Toten (vor etwa 70 bis 50 Tausend Jahren) und damit verbunden ein Totenkult nachgewiesen. Anhand der Auswertung von Bodenfunden in Gräbern von erkrankten Menschen wurde festgestellt, dass zu den Grabbeigaben auch Heilpflanzen gehörten, die es heute noch gibt. Unter ihnen waren Schafgarbe (Achillea), Tausendgüldenkraut (Centaurium), Greiskräuter (Senecio), Meerträubel (Ephedra), Eibisch (Althaea), Malvengewächse (Malvaceae), Liliengewächse (Liliaceae) und mehr.

Die Blütezeit dieser primitiven Gesellschaft begann in der Altsteinzeit. Zu dieser Zeit, im Prozess der Menschwerdung des heutigen Menschen, erweiterte sich stark seine bekannte Welt. In den frühen Stadien der Menschheit waren es nur die tropischen Zonen von Afrika und Eurasien. Jedoch in der frühen Altsteinzeit besiedelten die Menschen weite Teile des nördlichen Europa und Sibirien, Australien und Amerika. Die Anpassung an unterschiedliche Umgebungsbedingungen verlief während dieser Zeit parallel zur Entstehung der modernen Menschenrassen (Europide, Mongolide, Negride und Australo-Melaneside sowie zahlreiche weitere geographische Untertypen).

In den frühen Stammesgemeinschaften der Jäger, Sammler und Fischer der Altsteinzeit, entwickelte sich zunehmend eine vollwertige menschliche Gesellschaft mit verbesserten Produktionsmethoden und einem arbeitsteiligen kollektivem Handeln.
Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung (beginnend vor etwa 40.000 Jahren bis zum 10. Jahrtausend v. Chr.) war die Heilung allgemein gekennzeichnet durch den gezielten Einsatz kollektiv gesammelter Informationen zur Heilung in der Gemeinschaft, die Verbesserung der Methoden und Instrumente zur Heilung, die weitere Entwicklung der Hygiene (die Einheit von Kleidung, Fellen und Wohnungen), die Heilung der Wunden mittels Heilmitteln pflanzlichem-, tierischen-und mineralischen Ursprungs, Schienen, Aderlass, rituelle Beschneidung, wobei zur operativen Heilung Instrumente aus Stein, Knochen, Fischschuppen und mehr verwendet wurden, die Nutzung natürlicher Rauschmittel und Drogen als Schmerzmittel, und in sozialen Beziehungen die weitere Entwicklung der kollektiven Heilung und die Entstehung von medizinischer Magie auf der Grundlage einer Glaubens- und Fantasiewelt.

Aus den Anfängen dieser Heilung entwickelte sich über die Jahrtausende die traditionelle Medizin. Jede Richtung in dieser traditionellen Medizin hat einen eigenen Charakter und ist von regionalen Besonderheiten geprägt.

Siehe auch: Ursprünge der russischen Volksmedizin

Blutegeltherapie – wem und wo sie helfen kann

Die Blutegeltherapie

wissenschaftliche Bezeichnung Hirudotherapie, wird von der Mehrheit der Menschen mit der Kurpfuscherei erinnert. Zum Blutegel zeigt niemand das besondere Interesse, obwohl er sehr nützlich ist, denn sein Biss trägt die Heilung in sich. Seine Verwendung ist eine universelle, schmerzlose und natürliche Behandlungsform, die auf der Einheit aller lebendigen Wesen unseres Planeten gegründet ist. In der Natur wird nichts umsonst geschaffen, jedoch verstehen die Menschen nicht immer vernunftmäßig zu verwenden, was anscheinend ganz unnütz und sogar ekelhaft scheint.

Die Blutegeltherapie ist eine außergewöhnlich wirksame medizinische Therapie und wird heute in der Mikrochirurgie, Gynäkologie, Kardiologie, Dermatologie, Immunologie usw. gebraucht. Ebenfalls gibt es medizinische Forschungen mittels der Blutegel onkologische Erkrankungen und das AIDS erfolgreich zu behandeln.

Es sind 400 Arten der Egel bekannt, die etwa identisch aussehen und sich in der Hauptsache nur durch die Farbzusammenstellung unterscheiden. Die Egel kommen schwarz, grünlich oder bräunlich vor. In der medizinischen Praxis werden nur zwei Arten der Egel verwendet, der Hirudo medicinalis und Hirudo officinalis. Diese Egel werden heute für die medizinische Verwendung gezielt gezüchtet und beispielsweise in Russland als „Apothekenegel“ gehandelt.

Die Behandlung mit dem Egel

hat in der traditionellen Medizin vieler Kulturen ihren festen Platz, so auch in der traditionellen russischen Medizin. Erwähnung findet sie bereits in alten persischen, jüdischen und indianischen Texten. Während der Jahrtausende war die populärste Weise der Behandlung bei vielen Krankheiten, die Entfernung des schlechten überflüssigen Blutes, ähnlich des Aderlasses.

Die Hauptwirkung des Blutegels wird durch das Sekret hervorgerufen, dass er während des Saugvorgangs in die Wunde abgibt. Es enthält verschiedene Inhaltsstoffe, so als wichtigen Bestandteil das Hirudin mit einem lokalen gerinnungs- und entzündungshemmenden Effekt. Es verdünnt das Blut, wirkt entkrampfend und fördert die Durchblutung. Eine weitere wichtige Substanz des Sekretes ist das Calin, das ebenfalls die Blutgerinnung hemmt, aber im Gegensatz zum Hirudin eine wesentlich längere Wirkzeit besitzt.

Für die Blutegeltherapie gibt es nur wenige Gegenanzeigen. Nicht angewandt werden darf sie bei Menschen mit Hämophilie, hemorragischer Diathese, Schwangerschaft, dauerhaftem niedrigem Blutdruck, Immunschwäche und bekannter Allergie gegen Inhaltsstoffe des Blutegelsekretes. Vor der Anwendung der Blutegetherapie muss das Blut auf seine Gerinnbarkeit untersucht werden. Bei einer langen Blutung ist eine Blutegeltherapie kontraindiziert.

Wem kann die Blutegeltherapie helfen?

Die Blutegeltherapie kann vor allem den Menschen helfen, deren Erkrankung zur Entwicklung von Stagnationserscheinungen neigt.

Wo kann die Blutegeltherapie helfen?

Die Blutegeltherapie hilft ausgezeichnet bei Hämorrhoiden, Thrombophlebitis, Mastophathie und varikoser Erweiterung der Adern (Krampfadern) der Beine und des Beckens.
Gut hat sich die Blutegeltherapie bei der Behandlung gynäkologischer Erkrankungen bewährt, wie chronischen entzündlichen Prozessen und Störungen des Menstruationszyklus in den Wechseljahren. Sie kann ebenfalls den Frauen helfen, die an Unfruchtbarkeit leiden.
Mit Hilfe der Blutegeltherapie werden auch verschiedene Erkrankungen des Herz-Gefäß-Systems, wie Hypertonie, Ischämie, verschiedene Dystonien, Atherosklerose, Stenokardie, Hirnschlag und Infarkt behandelt. Es treten verschiedene Hauterkrankungen zurück, wie Deermatosen, Psoriase, Neurodermitis, Ausschlage und Ekzeme. Ebenfalls ist die Blutegeltherapie sehr wirksam bei trophischen Geschwüren. Sie hilft beim Kampf gegen Verfettung, Zellulitis, Diathese, Steinen der Nieren und Gallenblase. Verwendet wird sie bei Erkrankungen der Harnwege, Diabetes, Augen, Schilddrüse, Mundhöhle, Kieferhöhlen- und Ohrenentzündung. Wirksam ist sie auch bei Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Neurosen und Schwindel, Epilepsie, Migräne und Neuritis der Gehörnerven.
Weiterhin hilft die Blutegeltherapie bei Radikulitis, Rheuma, Arthritis, Arthrose und Osteochondrose. Sie beschleunigt die Heilung von Wunden und die Genesung nach Verletzungen. Die Blutegel nehmen auch das Ödem ab. Auch bei Problemen des Magen-Darm-Kanals hilft die Hirudotherapie sehr gut, wie Verstopfungen, Cholezystitiden, Magenentzündungen, Pankreatitis, Kolitis, Zirrhose und Dyskinesie der Gallenwege.

Wie wird eine Blutegeltherapie durchgeführt?

Für die Behandlung im Rahmen einer Blutegeltherapie werden nur gesunde Blutegel verwendet. Hierbei hilft eine einfache Prüfung – der Egel wird in die Hand genommen und mit den Fingern leicht gedrückt. Normal ist es, wenn der Egel mit der starken Kürzung des Muskelsackes reagiert und sich zum Klumpen zusammenpresst. Sein Körper wird elastisch und dicht, sich im Umfang wesentlich verringernd.
Die Egel werden Menschen nicht beißen, die eine schmutzige Haut haben oder Alkohol ausdünsten. Auch beißen sie Menschen nicht, deren Haut nach Duftstoffen oder aromatischen Cremes riecht. Es ist am besten, sich vor der Нirudotherapie ohne Benutzung von Seife oder Duschgels zu duschen.
Zum Beginn der Behandlung während einer Blutegeltherapie wird die Haut an jener Stelle, wo der Egel beißen soll, mit Spiritus (70 %) abgerieben und darauf nach 30 Sekunden das Prüfglas mit dem Egel gestellt.
Während der Behandlung kann man liegen oder sitzen. Für eine Behandlung werden gewöhnlich von 1 bis zu 7 Egel (öfter 2-3) herangestellt. Der Egel wird dazu im Voraus in das Prüfglas gegeben, so dass sein Mund zum Beißen bereit ist. Später wird das Glas mit der Öffnung auf die Stelle der Einwirkung gestellt und fest auf die Haut gedrückt.
Gewöhnlich beißt der Blutegel für 5 bis 10 min und konsumiert dabei 3–5 ml Blut. Wenn er beginnt, sich „zu ernähren“, ist das an wellenförmigen Bewegungen seines Körpers erkennbar. In den ersten Minuten wird an der Bissstelle das leichte Brennen empfunden. Die Behandlung kann bis zu 60 Minuten dauern, darüber hinaus wird nicht empfohlen. Nach dem die Egel satt sind, fallen sie selbst vom Körper ab. Wenn das nicht geschieht, so können sie mit Hilfe eines Tupfers, der mit einer Jodlösung oder Spiritus (70 %) angefeuchtet ist, entfernt werden. Der Tupfer wird an jene Stelle herangebracht, wo der Egel in die Haut beißt.
Aus hygienischen Gründen darf ein Blutegel für eine Blutegeltherapie nur einmalig verwendet werden. Nach seiner Verwendung wird er in einen Behälter mit 0,1 % Chloramin-Lösung gegeben, dann verpackt und im biologischen Müll entsorgt.

Auf der Bissstelle bleibt eine Wunde, aus der in der Regel das Blut über 16 bis 18 Stunden noch ein wenig fließt. Es ist nicht empfehlenswert, die Wunde mit etwas zu schmieren, da es die vom Egel in der Bissstelle hinterlassenen heilsamen Mikroben sicher zerstört. Die Wunde kann mit saugfähigem sterilem Material abgedeckt werden, das mittels Leukoplast oder einem Verband fixiert wird. Gut geeignet sind Monatsbinden, wie sie während der weiblichen Menstruation verwendet werden. Je nach dem, wie die Binde nass wird, wird sie ausgetauscht.

Nach der Behandlung mit dem Blutegel

ist es für 1 bis 2 Tage besser, nicht zu baden oder zu duschen, um die Beschädigung der Bisswunden des Egels zu vermeiden. Die Spuren der Bisse heilen in Form von Punkten innerhalb von 10 bis 15 Tagen zu, wobei individuell abhängig kleine Narben zurückbleiben können. Öfter bleiben diese Narben auf der Haut der Beine, seltener auf anderen Körperflächen wie Brust oder Bauch. Gewöhnlich verringern sie sich nach einiger Zeit und werden unmerklich.

Es können Schwäche, Schwindel, Erhöhung der Temperatur des Körpers bis zu 37 bis 37,5 °C, leichte Röte der Haut und das unbedeutende Ödem an den Bissstellen erscheinen. Fachleute halten solche Erscheinungen für eine Erscheinungsform der Heileinwirkung der Blutegeltherapie auf den Organismus.

Am Tag der Behandlung sollten Bonbons, eine Tafel Schokolade oder süßer Saft mitgenommen und nach deren Abschluss (während der Erholung) gegessen werden. Wenn im Laufe der Behandlung nicht mehr als drei Egel verwendet wurden, so kann bereits am nächsten Tag die Wiederholung erfolgen. Bei der Verwendung von vier oder mehr Egeln, ist es empfehlenswert, eine Pause von 3 bis 6 Tagen zu machen.

Heiler – wer von etwas heilt, macht vollständig gesund

Heiler – wer von etwas heilt

Bereits seit uralten Zeiten bedeutet „Heiler“ – wer von etwas heilt (er heilt, macht vollständig gesund).
Durch diese besondere Fähigkeit ist der Heiler in den religiösen und magischen Vorstellungen der verschiedensten Kulturen eine Persönlichkeit, die von einer Krankheit in wunderbarer Weise befreit (das Wunder schafft). Aus historischer Sicht steht der Begriff „Heiler“ für einen Angehörigen der Heilberufe.
In vielen Kulturen sind die Heiler sehr hoch angesehen und werden bereits seit uralten Zeiten hoch verehrt. Sie haben eine hervorgehobene Stellung, die sich auch in den verschiedensten Religionen findet.

So wird im Christentum

der Erzengel Raphael, einer der Erzengel im Christentum und Judaismus, als der Engel der Heilung bezeichnet. Er ist der mächtige Heilende der physischen Körper, wie der Menschen, als auch der Tiere. Raphael führt nicht nur durch geistiges Heilen die Arbeit mit den Betroffenen, sondern gibt auch dem Heiler vor, wie er die Erdarzneien zu benutzen hat. Der Heiler kann innerlich zu Raphael rufen, ihn bittend, ihn bis zu oder während der Behandlung eines Kranken zu führen. Er hilft auch dem zukünftigen Heiler während der Ausbildung.

In der russisch-orthodoxen Kirche

werden viele Heiler bis heute als Heilige hoch verehrt. Die wohltuende Hilfe bei Krankheiten leisteten sie meist noch zu ihren Lebzeiten. Diese Hilfe ist durch die Kirche, die Heilige Schrift und auch die Legende überliefert, beispielsweise über den Apostel Peter, die Propheten Elias und Elisa, den Metropolitan Alexy von Moskau (bekannt als Wundertäter), die Hochwürden Antonius von den Höhlen, Theodore Sikeot, Sergey Radonezhsky und Seraphim von Sarow, die hochwürdige Eupraxia und viele andere mehr. Vom Wirken dieser Heiligen ist eine Vielzahl an Heilungen und Reliquien überliefert.

Viele Heilige wählten den Beruf des Arztes

zu ihren Lebzeiten und sind von der Kirche als selbstlose Menschen verherrlicht. Nach Meinung der Kirche, bekamen diese Heiler die Gabe der Heilung von Gott, gingen ein gerechtes Leben, begingen Heldentaten im Glauben und Gebet, leisteten eine vieljährige innere Arbeit an sich selbst und gingen den Menschen durch die völlige Ablehnung des Vorteils und des menschlichen Ruhmes voran. Häufig gingen sie den Märtyrertod, den Glauben an Christus öffentlich bekennend, wie beispielsweise die Märtyrer Cyrus und Johannes.

Im russischen Volk

gibt es bis heute viele Heiler, die als Volksheilende der breiten Öffentlichkeit meist wenig bekannt sind, denn sie werben nach alter Heilertradition nicht mit ihren Fähigkeiten und Heilerfolgen. Nach den überlieferten Glaubensvorstellungen besteht andernfalls die Gefahr, dass ihnen Gott die verliehene Gabe der Heilung wieder entzieht. Ihr Ruf verbreitet sich daher meist nur regional über die Mund-zu-Mund-Propaganda und selten darüber hinaus. Diese Heiler leben gewöhnlich in einer Familientradition, nach der das Heilwissen von Generation zu Generation – ausschließlich innerhalb der Familie – übergeben wird. In ihrer Arbeit nutzen sie das Wissen über die Heilkräfte der Natur, der Pflanzen- und Tierwelt. Sehr viele Heilanwendungen in der traditionellen russischen Medizin beruhen auf Rezepten, die seit Generationen und ohne Veränderungen angewendet werden. Dabei ist typisch, dass auch die in der täglichen Ernährung des Volkes verwendeten Pflanzen, wie Hafer, Kartoffel, Kohl, Knoblauch, Zwiebel, Sellerie, Rettich, Rübe und vieles mehr, ebenfalls für Heilzwecke ihre Verwendung finden.

In der heutigen Zeit

wird der Begriff „Heiler“ allgemein mit „Geistheilung“ verknüpft. Geistheilung ist ein Oberbegriff für eine Vielzahl unterschiedlicher alternativmedizinischer, esoterischer, religiöser oder magischer Behandlungsmethoden, die sich nicht in die wissenschaftliche Medizin oder die klassische Psychotherapie einordnen lassen. Beispielsweise werden Behandlungsmethoden, wie Gebetsheilung, Handauflegen, Ho’oponopono, Huna, mediumistisches Heilen, Tierkommunikation, Prana, Reiki, Schamanismus, Seelsorge, Familienaufstellung, Therapeutic Touch und teilweise auch Kinesiologie, der Geistheilung zugeordnet. Im Gegensatz zum historischen Verständnis des Begriffs „Heiler“, ist heute die Verknüpfung mit der Zugehörigkeit zu einem Heilberuf nicht mehr gegeben. Ein „Geistheiler“ arbeitet mit geistigen Heilweisen. Siehe beispielsweise: Dachverband Geistiges Heilen e.V. – Geistige Heilweisen
Die Ausübung eines Heilberufes ist in Deutschland – nach geltendem Recht – nur den Angehörigen eines akademischen Heilberufes, wie Arzt, Zahnarzt, Psychotherapeut, Tierarzt und Apotheker, und Heilpraktikern gestattet.

Das Besondere der russischen Volksmedizin

Das Besondere der russischen Volksmedizin

russ. народная медицина – die russische Volksmedizin heilt komplex, sehr weich und verwendet die breitesten Möglichkeiten der Natur.

Hippokrates sagte einst sinngemäß – „Jede Pflanze ist fähig eine Krankheit zu heilen, nur wissen wir nicht immer – welche?“.
Die russischen Volksheiler suchten auf diese Frage sehr aktiv die Antwort und man muss heute sagen, sehr erfolgreich.

Naturheilmittel sind typisch für die russische Volksmedizin

die gewöhnlich in der Anwendung einfach, für jeden leicht zugänglich und billig sind. So finden sich darin die Pflanzen aus der täglichen Ernährung, Produkte der Haustiere und der Bienenzucht, die Tone, die Schlämme, das Wasser, die Steine und vieles mehr. Praktisch alles, was uns umgibt, dient auch der Heilung. Dabei verwendet die russische Volksmedizin sehr intensiv alle Heilmöglichkeiten der Natur, besonders diejenigen, die immer griffbereit und vor allem billig sind.

Paarige Kombination heilsamer Gaben aus der Natur

in den Heilanwendungen der russischen Volksmedizin. Charakteristisch dafür ist auch das Bad in der russischen Sauna. Auf die erhitzten Steine wird der Sud aus heilsamen Pflanzen gegossen. Dadurch bildet sich in der heißen Luft ein Aerosol, das ähnlich einem heilenden Spray, die Atmungswege und die Haut leicht durchdringt. Auch die Verwendung der Besen aus den Zweigen und Blättern der Birke, Linde oder Eiche folgt dieser Paarigkeit. Sie werden in das heiße Wasser mit den ätherischen Ölen, der Ergänzung von Minze, Brennnessel usw. getaucht, dadurch die im Wasser gelösten Wirkstoffe aufgenommen und dann damit der ganze Körper bis in jeden Winkel bearbeitet. Es geschieht eine gründliche Massage und gleichzeitig die Einwirkung auf alle biologisch aktiven Punkte mit den heilenden Wirkstoffen. Diese Paarigkeit setzt sich auch am Ende des Bades fort, denn die Menschen begießen sich mit Eiswasser oder laufen und fallen in den Schnee. Das härtet den Organismus sehr gut ab und trainiert das Immunsystem. Die russische Sauna ist ein Behandlungskomplex, der die aktive Einwirkung medikamentöser Pflanzen, der Massage und durch extreme Faktoren, auch die Einwirkung auf reflektorische Abläufe im Organismus, einschließt.

Besonderheiten der russischen Volksmedizin

finden sich auch in weiteren Bereichen. So werden alle in der russischen Volksmedizin verwendeten Heilmittel, beispielsweise Tinkturen, Sude oder Aufgüsse, nach bestimmten Prinzipien hergestellt. Oft sind sie eine Kombination der verschiedensten heilenden Wirkstoffe. Diese Mittel sollen nicht mit den Symptomen der Krankheit arbeiten, sondern sie sollen die Ursache der Krankheit entfernen und dem Organismus helfen, die Mechanismen der selbständigen Wiederherstellung der Gesundheit wieder aufzunehmen. Das ist einer der Hauptunterschiede der traditionellen russischen Medizin zu den Mitteln der modernen Schulmedizin. Der Prozess der Genesung geht dabei zwar langsamer, aber die Krankheit wird vollständig geheilt. Typisch für die russische Volksmedizin ist auch, dass die Heiler aus dem Volk ihre Heileinwirkungen fast immer mit speziellen Beschwörungen begleiten. So soll die Wirksamkeit der Komponenten des Heilmittels und deren Einwirkung auf den Kranken erhöht werden oder sie sollen ihn auf die bewusste Genesung einstimmen.

Einflüsse auf die russische Volksmedizin

Die russische Volksmedizin existiert, wie jede andere Volksmedizin auch, nicht nur für sich allein. Bereits durch die territoriale Ausdehnung Russlands gibt es Kontakte mit Asien, Ost- und Westeuropa. Daraus finden wir daher auch Einflüsse anderer Völker in der russischen Volksmedizin.
Es ist typisch für die russische Volksmedizin, dass sie sich fortlaufend weiter entwickelt. Die ursprüngliche Herkunft eines Heilmittels oder einer Heilmethode ist dabei unerheblich. So, wie heute die Schulmedizin nicht immer weiß, woher ein historisches Heilmittel oder eine Heilmethode ursprünglich stammt, kann man das innerhalb der russischen Volksmedizin auch nicht immer sagen. Beispielsweise gelangten bereits im 11. Jahrhundert aus dem alten Byzanz medizinische Schriften nach Russland, die auch in die russische Volksmedizin ihren Eingang fanden. Bereits seit Jahrhunderten hat sich „Medizin“ immer gegenseitig beeinflusst. Wir finden diese gegenseitige Beeinflussung heute auch in der modernen medizinischen Forschung, in dem vermehrt altes Heilwissen aus Volksmedizin und traditioneller Medizin aufgegriffen wird.

Die Entscheidung, ob ein Heilmittel oder eine Heilmethode dauerhaft in den Bestand einer „Volksmedizin“ aufgenommen wird, geschieht jedoch ausschließlich durch den „Praxistest“. Jede Volksmedizin sortiert früher oder später ein Heilmittel oder eine Heilmethode aus, die diesen Praxistest nicht besteht.
Deshalb spricht man heute auch von der „Zuverlässigkeit“ der Heilmittel und Heilmethoden der Volksmedizin.

Siehe auch: Die traditionelle Medizin in der Kiewer Rus